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Chronik der Klosters Bürgel

Mit der Gründung des Benediktinerklosters Bürgel im Jahr 1133 entstand ein neues geistliches Zentrum in Thüringen. Die Regeln des Klosterlebens richteten sich nach der Hirsauer Prägung. Heute gilt die Klosterkirche St. Maria und St. Georg als eines der bedeutendsten sakralen Baudenkmäler Thüringens und enthält die Überreste des einzigen benediktinischen Staffelchors in Deutschland.

Die Stiftung (Gründung) des Klosters Bürgel

13. Februar 1133

Stiftungsurkunde vom Kloster Bürgel
Stiftungsurkunde vom Kloster Bürgel

Die gesiegelte Stiftungsurkunde von Naumburg nennt als Stifter Markgraf Heinrich und Frau Bertha von Groitzsch. Bischof Udo I. von Thüringen genehmigte es, ein Benediktinerkloster zu gründen, behielt sich aber die bischöfliche Aufsicht vor. Dem Benediktinerorden wurden die Aufgabe und die Mittel übertragen, das Kloster zu errichten.

1133

Aus einer Bestätigungsurkunde Kaiser Lothars III. geht hervor, dass Gemahlin Bertha wohl die alleinige Stifterin gewesen ist. Ihr Mann Markgraf Heinrich war bereits im Jahre 1135 gestorben . Zu Lebzeiten ihres Mannes hätte sie nur mit dessen Zustimmung über ihr Eigentum verfügen können.

Der Bau

1140

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren und die Voraussetzungen geschaffen wurden, begannen die Bauarbeiten am wichtigsten Gebäude eines Klosters – der Klosterkirche.

1142

Das Kloster Hirsau wies eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kloster Bürgel auf.
Das Kloster Hirsau wies eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kloster Bürgel auf.

Durch aufwändige Vorarbeiten (geeigneter Bauplatz, Rohstoffsuche, Transportwege) konnte der Bau erst etwa neun bis zehn Jahre später beginnen. Als Vorbild galt die Klosterkirche St. Peter und Paul in Hirsau, die später im Pfälzer Erbfolgekrieg 1692 fast vollständig zerstört wurde. Alte Bilder zeigen eine große Ähnlichkeit mit der Klosteranlage in Thalbürgel.

Die ersten Mönche wurden als Gründungskonvent bezeichnet. Der genaue Zeitpunkt des Eintreffens vor Ort ist nicht bekannt, wird aber im Jahr 1133 vermutet. Nach kurzen Bemühungen war ein geeigneter Bauplatz gefunden. Die ersten einfachen Gebäude errichtete man aus Holz, wie zum Beispiel Unterkünfte und eine Kapelle.

Das Klosterleben richtete sich grundsätzlich nach der Benedikt-Regel aus dem 6. Jahrhundert. Im Verlaufe des 11. Jahrhunderts war das Benediktinertum reformiert worden, um es den damals bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen anzupassen. Für das Kloster Bürgel maßgebend war die Hirsauer Reform.

Für das Bauvorhaben benötigte man kurze Transportwege, um die erforderlichen Ressourcen in ausreichender Menge zur Verfügung zu haben. Die Transporte übernahmen die Bauern aus den umliegenden Dorf mit ihren Ochsenkarren.

Die wirtschaftlichen Grundlagen für ein Kloster waren zusammenhängende Ländereien, die die Stifter in der Umgebung des Marktfleckens Bürgel besaßen. Voraussetzungen für die Versorgung des Klosters waren Böden mit Lößanteil für die Landwirtschaft, Wald zur Holzgewinnung und Hänge, die sich zum Weinbau eigneten. Die Fläche für das spätere Kloster sollte etwas erhöht liegen, damit es vor Hochwasser geschützt ist.

Die Nachricht von einem bevorstehenden Bau eines Klosters verbreitete sich damals sehr schnell und weckte das Interesse vieler arbeitsuchender Bauhandwerker. Als Bauherr für die Errichtung eines Klosters galt der spätere Abt. In den meisten Fälle hatte er Bau-erfahrene Mönche im Schlepptau mit einem kompetenten Bauverwalter. Der Bauherr und der Bauverwalter wählten unverzichtbare Arbeitskräfte aus: Steinbrecher, Steinmetze, Schmied, Mauerer und Zimmerleute. Der Bedarf an Arbeitskräften war abhängig von der Jahreszeit, den finanziellen Mitteln und dem Baufortschritt. Für das Kloster Bürgel fehlen jedoch jegliche Belege und Unterlagen über den Bau wie Bauzeichnungen und Bautagebücher.

1150

Rekonstruierter Grundriss der Klosterkirche
Rekonstruierter Grundriss der Klosterkirche

Als erstes wurde der Ostbau der Klosterkirche, die sog. Mönchskirche, fertiggestellt und geweiht. Sie besteht aus einem gewaltigem Querhaus (Breite: 32m, Länge: 9m) und vorgelagertem Staffelchor. Der Staffelchor bietet Platz für kleinere Chorkapellen (Länge: 7m bzw. 5m), die durch hohe Mauern voneinander getrennt sind. Mit der Ausstattung durch Altäre wurde der Staffelchor – einmalig für die Klosterkirche in Thalbürgel - für das Lesen von Seelenmessen genutzt.

Typisch „hirsauisch“ ist das Säulenkapitell der Doppelarkade des Nordturm-Erdgeschosses, deren Kanten die bekannte „Hirsauer Nase“ bilden.

1150-1160

Das mächtige vierstufige Westportal
Das mächtige vierstufige Westportal

Im zweiten Bauabschnitt wurde die westliche Vorkirche errichtet. Diese besteht aus zwei Etagen und drei Schiffen mit einer Breite von 20,2 m und einer Länge 10,5 m. Das Mittelschiff ist durch kräftige Arkaden mit den Seitenschiffen verbunden. Ein mächtiger Pfeiler dient als Stütze. Von diesem gehen jeweils eine Doppelarkade mit Säule zur Westwand der Vorkirche und eine einfache Arkade zum Westportal aus. Das in der Vorkirche vorhandene Obergeschoss war über eine Arkadengalerie mit dem Langhaus verbunden.

Das äußere Portal wurde im Gegensatz zum Innenportal des Langhauses zurückhaltender gestaltet. Denn für das Innenportal des Langhauses diente dem Bauherr und Baumeister das übermächtige aus vier Stufen bestehende Säulenportal Paulinzellas als Vorbild.

Als Gesamtbild weist das Westportal eine Schalenstruktur auf. Dieses widerspiegelt das Himmelsmodell der Antike. Die Archivolten rahmen das Tympanon ein. Durch die Inschriften des Portals kann man annehmen, dass anfangs in der Vorkirche getauft wurde

nach 1160

Blick in das Langhaus nach Durchqueren des vierstufigen Westportals
Blick in das Langhaus nach Durchqueren des vierstufigen Westportals

Nach der Fertigstellung der westlichen Vorkirche begann der Bau des Langhauses mit einer Breite von 19 m und einer Länge von 30,5 m. Auch dieser Kirchenraum weist hirsauische Merkmale auf, wie z.B. die flache Holzbalkendecke im Kirchenraum. Der Besucher wird beeindruckt von den harmonischen Proportionen des Innenraums und den prächtigen Arkaden mit ihrer portalartigen Anmutung.

Das 8,5 m breite und 15,5 m hohe Mittelschiff ist durch sieben Bogenstellungen vom Seitenschiff getrennt, welches nur die Hälfte der Maße aufweist. Die Klosterkirche Thalbürgel besitzt im Gegensatz zur Petersbergkirche in Erfurt aufwändigere Pfeiler. An das Abschlussgesims schließt sich ein niedriger Obergaden mit acht Fenstern an, im Norden mit runden Bögen und im Süden mit leicht angespitzten Bögen. Diese angespitzten Bögen weisen auf das Ende der Epoche der Romanik in der letzten Phase der Bauarbeiten hin.

1174

Die Westwinkeltürme wurden etwa 1174 errichtet.

1200

Blick auf die Klosterkirche Thalbürgel
Blick auf die Klosterkirche Thalbürgel

Die Bauarbeiten an der Klosterkirche waren um 1200 im Wesentlichen beendet.

Das Klosterleben

ab 1200

Seit der Klostergründung stieg der Einfluss der Mönche aus dem Kloster und dessen regionale Bedeutung immer weiter an, durch verschiedene Gründe. Das gesamte Klosterland, welches vom Gleistal südlich von Bürgel bis nach Graitschen/Poxdorf reichte, ist vom Kloster geprägt. Ebenfalls die Flächen der Abtei-Dörfer Hohendorf und Rauschwitz sowie andere Flächen darüber hinaus, zum Beispiel bei Jena, Erfurt, Ruttersdorf und Naumburg. Im Umfeld des Klosters entstand ein Dorf, dessen Bewohner überwiegend für das Kloster arbeiteten, und das seit dem 18. Jahrhundert als Thalbürgel bezeichnet wird.

Nicht nur das Kloster, sondern auch die Mönche hatten einen großen regionalen Einfluss. Eine der Hauptaufgaben der Mönche in Bürgel war es die Ideen des Christentums in der Umgebung zu verbreiten, die Lehre von Glaubensinhalten, Seelsorge, Bereitstellung von Priestern und Diakonen für die Bevölkerung.

Das Kloster Bürgel war geistliches und wirtschaftliches Zentrum der Region. Es sammelte und verbreitete Wissen der Naturkunde, Technik und Medizin. Ein Beispiel dafür war die Klosterschule.

Die Bürgeler Mönche waren wirtschaftlich sehr erfolgreich. Sie entwickelten das Kloster zu einem lokalen Wirtschaftszentrum. Ebenfalls verliehen Sie Geld und konnten durch die Zinseinnahmen zusätzliche Erträge erzielen.

Eine besondere enge Bindung bestand zwischen dem Kloster und der Stadt Bürgel. Das Kloster trug anfangs zur Entwicklung des Ortes bei. Die Ortschaft hatte durch die Förderung des Handels und den damit verbundenen Einnahmen einen wirtschaftlichen Aufschwung erlitten. Neue Gewerbetreibende siedelten sich in Bürgel und damit in der Nähe des Klosters an. Die Äbte des Klosters sicherten sich das Zollrecht und die Gerichtsbarkeit des Marktflecken und der Stadt Bürgel. Damit war ein großer Einfluss auf die Entwicklung der Stadt verbunden. Denn durch die Unterstützung des Klosters erhielt die Stadt Bürgel 1234 das Stadtrecht.

ab 1257

Die Finanzgeschäfte der Mönche des Klosters hatten nicht nur positive Folgen. Der wirtschaftliche Erfolg führte zu immer mehr Reichtum und gleichzeitig zur Nichtbeachtung mönchischer Regeln, sodass immer wieder Reformbedarf bestand. Der wirtschaftliche und politische Erfolg führte unvermeidlich zu Konflikten mit den Adligen der Umgebung.

Da die Parochialrechte bei den Bischöfen von Naumburg und das Voigtrecht bei den Herren von Lobdeburg verankert war, kam es wiederholt zu Streitereien. In Konkurrenz zum Benediktinerkloster Bürgel stand das Zisterzienserkloster Pforta, das heutige Schulpforta. Dessen Mönche erschlossen das Saaletal und errichteten bei Dorndorf 1257 eine Brücke über die Saale. Dieser Brückenbau löste eine Kettenreaktion aus. Der Fernhandel ging ab sofort durch das Saaletal. Die Stadt Jena gewann an Bedeutung, während Bürgel in den Hintergrund gelangte und das Voigtrecht für Bürgel unbedeutend wurde. Die Einnahmen Bürgels und die damit verbundene ökonomische und politische Bedeutung der Ortschaft sank soweit hinab, dass es nur noch den Namen „Ackerbürgerstädchen“ bekam.

Der Niedergang

ab 1430

Die Kurfüsten begannen ihre landesherrlichen Rechte und Einnahmen in Bürgel von 1430 und 1444 an das Kloster zu verkaufen.

Durch die schlechter werdende wirtschaftliche Situation kam es immer mehr zu Differenzen zwischen den Einwohnern und den Mönchen hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Stadt. Die andauernden Auseinandersetzungen brachten Unruhe und verstärkten die anfängliche Krise des Klosters als Institution.

Die Mönche mussten sich Anklagen über Sittenverfall und Geldgier anhören, da das Geldgeschäft im Kloster immer größeren Platz einnahm. Das Kloster wurde oft mit einer Bank gleichgestellt, dennoch kam das Kloster selbst in finanzielle Schwierigkeiten.

1430

Ein letzter Versuch, das Benediktinertum zu reformieren, ging nach 1430 von dem Kloster Bursfelde aus. Die Benedikt-Regeln sollten wieder volle Gültigkeit bekommen. Frömmigkeit und Gottesdienste sollten wieder ein größeres Gewicht einnehmen.

Nach langem Zögern und erst kurz vor der Reformation schloss sich auch das Kloster Bürgel neben dem Peterskloster in Erfurt und dem Kloster Paulinzella der Bursfelder Reform an.

1525

Die Reformation stellte generell den Sinn des Klosterlebens in Frage. Insbesondere die Bauernkriegsunruhen des Jahres 1525 bedeuteten für viele Klöster in Thüringen das Ende. Sanktionen durch die reformierten lutherischen Landesherren entzogen dem Kloster die wirtschaftliche Basis.

Wie viele andere Klöster wurde auch das Benediktinerkloster Bürgel aufgehoben. Den Wirtschaftsbetrieb führte man als Kammergut weiter. An die Stelle des Klosters trat ein regionaler Verwaltungssitz, das Amt Bürgel.

Die Chronik wurde 2018 von Neele Müller im Rahmen ihrer Seminarfacharbeit erstellt.

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